Vibrationskultur

Die Ulmer Arbeitsgruppe um Prof. Sterzik hat zwei Neuentwicklungen durchgeführt, die den Erfolg der „künstlichen Befruchtung“ (IVF und ICSI) erhöhen.

Die Vibrationskultur verhilft den Embryonen zu einer besseren Entwicklung,

die Verwendung eines Spezialmediums zum Embryotransfer bewirkt, dass die Zellen sich leichter in der Gebärmutter festsetzen.

 

Die Idee: Möglichst nah an die Verhältnisse im Eileiter!
Die Befruchtung einer Eizelle und die ersten Teilungsschritte eines Embryos laufen im Eileiter ab (siehe bitte Kinderwunschbroschüre). Dort sind die Zellen nicht an einem Platz fixiert, sondern werden hin und her bewegt. Diese „Vibrationen“ sind im Schwingungsbereich von 6 Herz in Ruhe, sie steigen bis auf 20 Herz bei Bewegung des Eileiters und der Flüssigkeit im Eileiter.

Bisher: Bei der „ normalen künstlichen Befruchtung“ (IVF/ICSI) sind die Zellen in Schalen mit Kulturflüssigkeit, die öfters gewechselt wird, die Zellen werden aber kaum bewegt. So wird bisher überall die sogenannte „statische Embryokultur“ durchgeführt.

Neu: Es war nun die Idee, die Verhältnisse im Eileiter nachzuahmen. Dazu werden die Embryonen in ihren Kulturgefäßen automatisch hin und her bewegt und zwar so wie es normal im Eileiter geschieht. Dies gewährleistet eine patentierte „schwingende Platte“, auf der die Kulturschalen mit den Embryonen stehen.

Die ersten Ergebnisse wurden in der folgenden englischsprachigen Zeitschrift  veröffentlicht:

Literatur:
Isachenko E, Maettner R, Isachenko V, Roth S, Kreienberg R, Sterzik K. Mechanical agitation during the in vitro culture of human pre-implantation embryos drastically increases the pregnancy rate. Clin Lab. 2010;56(11-12):569-76.

 

Was bedeuten die Ergebnisse von nun über 400 Paaren?

Die neue Kulturmethode ist ein Vorteil, ohne dass in den bisherigen Studien irgendwelche Nachteile eintraten. Die Schwangerschaftsrate erhöht sich besonders bei Frauen über 30 erheblich.
Jeder Patient der Praxisklinik kann jetzt diese Art der Embryokultur wählen.

Spezialmedium beim Transfer
Es werden immer wieder Versuche gemacht, die Embryonen in der Gebärmutter fest zu kleben (Fibrinkleber), um den Erfolg der IVF/ICSI zu erhöhen. Das gelingt nicht. Aber durch die Verwendung eines Spezialmediums beim Embryotransfer lässt sich der Erfolg erhöhen (Faktor 1,41). Wenn die Chance beispielsweise 30% ohne das Medium wäre, so ist die Chance dann ca. 40%. Auch Mehrlinge kommen doppelt so häufig vor (Faktor 1,86).

Literatur:
Bontekoe S et al. Adherence compounds in embryo transfer media for assisted reproductive technologies. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010, Issue 7. Art. No.: CD007421