4.3.2 Stimulation mit Spritzenpräparaten (Gonadotropine)

Seit Anfang der Sechziger Jahre werden in Spritzenform erhältliche Medikamente (Gonadotropine) zur Eizellreifung eingesetzt. Diese Präparate wurden ursprünglich bei Frauen verwendet, bei denen kein Eisprung vorhanden und auch durch Tablettenstimulation nicht zu erzielen war.
Die Arzneimittel enthalten entweder nur FSH oder eine Kombination von LH und FSH.
Diese beiden Hormone und speziell hier das follikelstimulierende Hormon (FSH) regulieren auch normalerweise die Entwicklung der Eibläschen im Eierstock (siehe Punkt 2 "Zyklus und Befruchtung"). Die Gonadotropine werden meist täglich als Spritze gegeben. Sie führen zur Ausbildung von Eibläschen im Eierstock. Im Vergleich zu Clomifen entstehen in aller Regel mehr Eibläschen. Das Ansprechen der Eierstöcke ist von Frau zu Frau unterschiedlich und von vornherein nicht voraussehbar.
Bei Behandlungen mit diesen Arzneimitteln werden das Follikelwachstum und auch die Zahl der Eibläschen durch Ultraschall überwacht. Auch Hormonbestimmungen (vorwiegend Östrogen und auch Progesteron) müssen möglich sein. Das Risiko einer Eierstocksüberreaktion (Überstimulation) und einer unkontrollierten Mehrlingsbildung soll begrenzt bleiben.

Abbildung 4 Schematische Darstellung des Ablaufs einer Spritzenbehandlung (hMG - oder FSH - Stimulation)

Ab dem dritten Zyklustag werden ein bis zwei Ampullen des gewählten Präparates gespritzt. Diese Behandlung wird an den darauffolgenden Tagen wiederholt. Die Dosierung richtet sich nach Alter und Körpergewicht der Frau sowie nach dem Ansprechen der Eierstöcke (eventuell bekannt aus früheren Stimulationen). Eine erneute Ultraschalluntersuchung in dieser frühen Phase der Stimulationsbehandlung ist nicht unbedingt erforderlich. Blutabnahmen zur Bestimmung der Östrogene oder anderer Hormone können erfolgen. Die Spritzen können auch vom Patienten nach Anlernen verabreicht werden (werden unter die Haut gespritzt). Nach 5 bis 7 Tagen sollte eine erneute Ultraschalluntersuchung folgen. Bei ausreichender Größe der Eibläschen (16-20mm) kann dann durch die Gabe eines hCG-Präparates der Eisprung ausgelöst werden. Diese eisprungauslösende Spritze ist keine grundsätzliche Voraussetzung. Ähnlich wie im Kapitel über das Zyklusmonitoring beschrieben, kann der Ovulationszeitpunkt (Zeitpunkt des Eisprungs) durch die Messungen des Hormons LH im Blut oder im Urin eingegrenzt werden. Vom Arzt wird dann empfohlen, welche Tage für den Verkehr am erfolgreichsten erscheinen. Bilden sich zu viele Eibläschen aus, so muss unter anderem wegen der Gefahr der unkontrollierten Mehrlingsbildung vom Verkehr abgeraten werden.
Die Schwangerschaftsrate pro Behandlungszyklus liegt bei ca. 15%. Das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften ist mit durchschnittlich 10 - 20 % höher als nach Clomifenstimulation.
Ähnlich wie bei der Clomifen kann man die Gonadotropintherapie mit der intrauterinen Inseminationsbehandlung verbinden.

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