4.4 Operationen an verschlossenen Eileitern
Krankhafte Befunde an den Eileitern sind für ca. 14% der Sterilitätsfälle verantwortlich. Der Verschluss oder die hochgradige Enge, sowie ausgedehnte Verwachsungen um die Eileiter, sind in aller Regel Folge einer Unterleibsentzündung (aufsteigende Infektion). Nicht jede Genitalentzündung führt zu einer Eileitermitbeteiligung, nicht jede Eileiterentzündung direkt zum Eileiterverschluss. Frauen mit häufigen Entzündungen haben aber ein deutlich erhöhtes Risiko des Eileiterverschlusses. Am zuverlässigsten feststellen lässt sich der Tubenverschluss, wie bereits beschrieben, über die Bauchspiegelung. Hochgradige Verdachtsmomente kann man auch aus der Röntgenuntersuchung der Eileiter (Hysterosalpingographie) erhalten.
Eine durch Veränderungen am Eileiter bedingte Kinderlosigkeit wird als tubare Sterilität bezeichnet. Die bevorzugten Stellen, an denen der Eileiter durch die Entzündung geschädigt wird, sind der Abgang aus der Gebärmutter, sowie das dem Eierstock zugewandte fingerförmige Tubenende (Fimbrien).
Abbildung 5 Eileiterverschluss am Abgang aus der Gebärmutter (siehe Pfeil)
Die Erfolgsaussichten einer Eileiteroperation hängen davon ab, wie stark die Tuben vorgeschädigt sind.
Bei der
Rückgängigmachung von Eileiterunterbindungen (Refertilisierungsoperation
nach Sterilisation) werden die höchsten Schwangerschaftsraten erzielt.
Je nach Alter und verbleibender Eileiterlänge nach dem Aneinandernähen,
erreichen 60-80% der operierten Patienten später eine Schwangerschaft.
Aber nicht jeder Fall ist operabel.
Die Operation eines endständigen Eileiterverschlusses (an dem dem Eierstock zugewandten Ende) kann über eine Bauchspiegelung erfolgen. Als ungefährer Anhaltspunkt kann gelten: Ca. ein Drittel der operierten Frauen wird danach schwanger; ein Drittel dieser Schwangerschaften sind Eileiterschwangerschaften.
Abbildung 6 Operation eines endständigen Eileiterverschlusses (Verschluss an dem Ende, das zum Eierstock führt)
Beim gebärmutternahen Eileiterverschluss kann man sich über die Eileiterkatheterisierung Klarheit verschaffen, ob ein unüberwindbares Passagehindernis vorliegt. Durch die Gebärmutter wird mit einem kleinen Katheter oder mit einem optischen System (Falloposkop) in den Eileiter eingegangen. Es kann dann festgestellt werden, ob wirklich ein kompletter Verschluss vorliegt.
Zusammenfassung
Generell ist nach Eileiteroperationen das Risiko der Eileiterschwangerschaft
höher als in der Normalbevölkerung ohne Tubenschaden. Der Grund dafür
ist, dass durch die Operation zwar ein Organ in seiner Durchgängigkeit
wieder hergestellt wird, aber die durch die Entzündung bedingten Veränderungen
in der Eileiterwand nicht behoben werden.
Es ist ein Trugschluss, dass nach einer extrakorporalen Befruchtung keine Eileiterschwangerschaften
auftreten. Es ist möglich, dass die in die Gebärmutter zurückgesetzten
Embryonen in den Eileiter aufsteigen und dort zu einer Eileiterschwangerschaft
führen können. Eine solche Schwangerschaft kann nicht ausgetragen
werden. Es kommt bei nicht rechtzeitigem ärztlichen Eingreifen zu einem
Platzen des Eileiters (Tubarruptur) und zu einer unter Umständen lebensbedrohlichen
Blutung in den Bauchraum. Bei guter Überwachung und frühzeitiger Diagnosestellung
ist diese Gefahr aber deutlich reduziert.
Seit der nahezu flächendeckenden Verfügbarkeit der künstlichen Befruchtung ist die Zahl der Eileiteroperationen zurückgegangen. Operationen durch Bauchspiegelung haben aber auch weiter ihren Stellenwert.
Ausreichend gute Studien, die die Ergebnisse der Eileiteroperation und der künstlichen
Befruchtung vergleichen, gibt es nicht. Die Beratung kann so oder so ausgeführt
werden und hängt stark von den Erfahrungen und Vorlieben des Arztes ab.
Insofern ist es absolut korrekt, dass im Wesentlichen der aufgeklärte Patient
nach seinen Vorstellungen entscheidet.
Aber Eins ist zu bedenken:
Es gibt doch starke Hinweise dafür, dass verschlossene Eileiter die Schwangerschaftschancen
bei der künstlichen Befruchtung senken. Durch die operative Eileiterentfernung
(über Bauchspiegelung) werden die Chancen erhöht.
Ob die Eröffnung des endständigen Tubenverschlusses ähnlich günstig
wirkt, ist nicht sicher zu beantworten. Dazu finden sich keine guten Studien.
Ebenso wenig kann man eine Empfehlung geben, ob man bei Frauen mit gebärmutternahem
Verschluss die Eileiter vor der IVF operieren soll.
Aber auch die Eileiterentfernung ist kein 100%-iger Schutz vor Eileiterschwangerschaften.
Sie führt nicht zum Rückgang der Eileiterschwangerschaftsrate bei
künstlicher Befruchtung (IVF).