5 Gesundheitsrisiken für Kinder nach assistierten Reproduktionstechniken (ART)

Mit ART (assistierte Reproduktionstechniken) werden alle Maßnahmen zusammengefasst, bei denen eine Stimulationsbehandlung erfolgt und es in der Folge zum Heranreifen mehrerer Eibläschen kommt. Das beginnt mit der Tablettenstimulation, geht über Insemination bis hin zu IVF & ICSI.

Mehrlinge
Die Mehrlingsschwangerschaft ist eine gehäuft auftretende Begleiterscheinung der In-vitro-Fertilisation und der ICSI. Wie bereits erwähnt, treten bei Spritzenbehandlungen generell vermehrt Mehrlinge auf.
Bei der IVF und bei ICSI lassen sich Drillingsschwangerschaften weitgehend vermeiden, wenn die Zahl der übertragenen Embryonen auf 2 beschränkt bleibt. Aber das bedeutet noch lange nicht die Lösung.....
Es sind nicht nur die Drillinge, die Probleme machen. Auch Zwillingsschwangerschaften, egal ob spontan entstanden oder nach ART, haben mehr Komplikationen als Einlingsschwangerschaften: Sie haben nicht nur eine höhere Frühgeburtlichkeit, sondern generell mehr Erkrankungen in der Zeit vor und nach der Geburt ("erhöhte perinatale Morbidität"). Trotz aller Erfolge der Medizin besteht der Unterschied nach wie vor - man verdrängt es nur zu gern.

Die "Lösung", nur noch 1 oder 2 Embryonen zu übertragen, ist nicht Evidenzbasiert (siehe Topwissen),
und ist zusätzlich nicht auf Ältere (ab ca. 38 Jahre) anwendbar.


Gesundheitsnachteile durch die Stimulation, die IVF, die ICSI
Die ältesten Kinder nach IVF sind jetzt junge Erwachsene. Es sind über 20 Jahre seit der Geburt des ersten Retortenbabys (1978) vergangen und noch immer wissen wir "nichts Genaues".

Die absolut korrekte Aussage lautet: Es gibt zur Zeit keine wissenschaftlichen Beweise, dass die Methoden der IVF oder die der ICSI für Schäden an den Nachkommen verantwortlich sind.
Die bislang erfolgten Studien sind wissenschaftlich nicht dazu tauglich, sicher zu sagen, dass durch IVF oder ICSI keine schwerwiegenden Risiken für die Nachkommen bestehen. Sie zeigen aber genauso wenig sicher, dass Schäden auf die Methoden zurück gehen. Das geben die Studien einfach nicht her.
Fehlbildungen, die durch Veränderungen im Erbgut (z. B. Chromosomenveränderungen wie Mongolismus) bedingt sind, nehmen bekannter Weise mit dem Alter der Frau zu und gehen nicht zu Lasten der gewählten Behandlungsmethode.

Fazit: Viele Fragen werden sich auch in den nächsten Jahren nicht beantworten lassen. Die Datenlage und die darauf beruhenden ärztlichen Empfehlungen sind unsicher: Alle heutigen Ratschläge können sich in Jahren als richtig erweisen. Aber genauso wahrscheinlich ist es, dass sich die Ratschläge später als falsch herausstellen.
Sutcliffe hat in einem Artikel, der 2002 in englischer Sprache erschienen ist, die Unsicherheit der Datenlage treffend beschrieben.

Aber das Paar hat jetzt Kinderwunsch, es möchte in absehbarer Zeit ein Kind. Dem Paar hilft es wenig, dass die Aussagen in 10 Jahren oder mehr sicherer sind... Also muss die Entscheidung für die Behandlung oder dagegen getroffen werden, mit all den erwähnten Unsicherheiten.

Die bislang vorliegenden Studien:
Es gibt Ergebniszusammenstellungen, sogenannte "Registerdaten" für IVF und ICSI von u.a. Bonduelle, Hansen, vom deutschen IVF/ICSI Register, aus Schweden, den USA und aus Australien.
Alle diese Erhebungen ("Studien") haben methodische Schwächen, die es nicht erlauben, obige Fragen zuverlässig zu beantworten.
Aus Schweden und den USA haben wir Berichte, dass neurologische Probleme von Entwicklungsverzögerungen bis hin zur Spastik häufiger bei Einlingen nach IVF sind als bei vergleichbaren Einlingen nach spontan eingetretener Schwangerschaft. Aus den USA kommt, dass Einlinge nach ART fast 3 mal so häufig wie vergleichbare Kinder aus "Spontanschwangerschaften" ein zu niedriges Geburtsgewicht haben.

Wir brauchen dringend eine sogenannte prospektive Bevölkerungsstudie. Alle bisherigen Studien, auch die "Deutsche ICSI Studie", reichen nicht aus. Solche Studien sind teuer, da sie eine genaue klinische Untersuchung der Kinder zu verschiedenen Zeitpunkten erfordern (Geburt, 1 Jahr.....).

Und bitte, bleiben Sie realistisch...
Zu assisted hatching und der Präimplantationsdiagnostik (mindestens eine Zelle wird dem 8 Zellembryo entnommen, um vor dem Transfer eine Erbgutuntersuchung durchzuführen) gibt es bislang überhaupt keine größere Studie, die uns die Frage nach Gesundheitsrisiken beantworten könnte.

Sie erhalten keine Garantie:
Leichte, mittelschwere und auch schwere Fehlbildungen sind bei ca. 5 - 10 % der Kinder nachweisbar, auch bei denen "nach normaler Zeugung". Nicht alle Fehlbildungen sind in der Phase vor der Geburt durch Ultraschall, Fruchtwasserpunktion oder ähnliche Verfahren festzustellen. Veränderungen im Erbgut (Chromosomenanomalien) können in der Regel bei einer Fruchtwasserpunktion festgestellt werden. Lippenkiefergaumenspalten oder andere sogenannte Spaltfehlbildungen lassen sich in einigen aber nicht allen Fällen durch die Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft feststellen. Das Fehlen eines Fingerendgliedes (ebenfalls Fehlbildung) lässt sich jedoch mit allen vorgeburtlichen Untersuchungsmethoden nicht immer diagnostizieren.

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