6 Erfahrungen von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch
Paare
mit unerfülltem Kinderwunsch stellen keine Einzelfälle dar. "Betroffene"
glauben anfangs, dass nur sie dieses Schicksal haben. Gespräche darüber
finden allerhöchstens mit dem Partner und seltener im engsten Familienkreise
statt. Wird der Mut gefasst, im Freundeskreis über diese Probleme zu sprechen,
stellt man sehr schnell fest, dass man kein Einzelfall ist.
Sterilität ist kein Tabuthema mehr. In Selbsthilfegruppen und in Internetforen
kann über die vielfältigen Probleme gesprochen werden: - Wer will
kann Erfahrungen weitergegeben, Ratschläge austauschen.....
Heute
kann die Ursache der ungewollten Kinderlosigkeit in den meisten Fällen
rasch fachkompetent abgeklärt werden. Es müssen keine Jahre verstreichen.
Paare beklagen, dass die Intimität in der Phase des Abwartens zum regelrechten
Stress geraten kann. Der Geschlechtsverkehr als Pflichtübung und "reines
Mittel zum Zweck" belastet.
Das Gefühl der Verzögerung, des Nicht-Ernstgenommen-Werdens, der zur
geringen Weitergabe von Informationen scheint geringer, wenn das Paar frühzeitig
Klarheit über die Ursachen und Chancen ihres Problems erhält. Es wird
als wichtig erachtet, dass der beratende Arzt dazu die Probleme beider Partner
berücksichtigt. Geschätzt wird eine individuelle Beratung und Erörterung
der Chancen, sowie eine Aufzeigung aller möglichen Behandlungsmethoden
mit den entsprechenden Erfolgsraten.
Hat das Paar Klarheit über die Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit gewonnen und ausreichend Information erhalten, braucht es Zeit, um die neuen Kenntnisse zu verarbeiten. Diese Phase der Verarbeitung mündet in die Entscheidung, ob, wann, wie und wo, welche Behandlung begonnen werden soll. Bei dieser Entscheidungsfindung helfen Informationen, Erfahrungen und Hinweise anderer Betroffener.
...und nicht Alles hängt an einem Versuch.... Man sollte sich vergegenwärtigen, dass die Wahrscheinlichkeit des Erfolges in einem Behandlungszyklus, selbst im erfolgreichsten Zentrum, immer niedriger liegt als die des Misserfolges. Misserfolg und Enttäuschungen gehören dazu. Selbst vom besten Ärzteteam kann nicht sicher vorhergesagt werden, bei welchem Versuch sich der gewünschte Erfolg einstellen wird.
Ist
die Entscheidung für eine Behandlung gefallen, so müssen die Weichen
vom behandelnden Frauenarzt gestellt werden. Behandlungen wie z. B. die In-vitro-Fertilisation
können und dürfen nur von spezialisierten Zentren durchgeführt
werden.
Der beratende Arzt sollte die Zentren und die Räumlichkeiten und auch die
Ärzte kennen. Hinweise, dass dort eine individuelle Behandlung gewährleistet
ist, und andere Patienten des Arztes dort früher bereits erfolgreich behandelt
wurden, hilft leichter Vertrauen zu fassen (siehe "Praxisrundgang"
im Internetauftritt http://www.kinderwunsch-ulm.de).
Eine Sterilitätsbehandlung
stellt immer eine Belastung beider Partner dar, die bis zum Stress geraten kann.
Therapien sollten am günstigsten in Zeiten ohne anderweitigen Druck gelegt
werden. Allein die Arzttermine einzuhalten bedeutet Fehlzeiten am Arbeitsplatz,
was über längere Zeit nur bei einem verständnisvollen Arbeitgeber
ohne Probleme möglich ist. Es wird von den Patienten als positiv bewertet,
wenn möglichst wenige Arztbesuche notwendig sind, gerade wenn das Zentrum
weit vom Wohnort entfernt liegt. Eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Gynäkologen
und dem Arzt am Zentrum hilft hierbei.
Da der Großteil der Behandlung die Frau betrifft, ist es um so wichtiger,
dass der Ehemann verständnisvoll reagiert und seiner Frau Geborgenheit
und Unterstützung bietet. Es ist für die Frau eine große Hilfe,
wenn sie weiß, dass sie sich während der unausbleiblichen Hoch- und
Tiefphasen immer mit dem Partner aussprechen kann.
Die realistische Einstellung, dass unter Umständen mehrere Behandlungszyklen
notwendig sind, vermindert den Leistungsdruck. Überschießender Leistungsdruck
führt zur erhöhten Anspannung und vermehrt zu Versagensgefühlen
bei Misserfolg.
Ein "Scheitern" darf nie als persönlicher Misserfolg verarbeitet
werden. Die oft auftauchenden Gedanken "keine richtige Frau zu sein"
oder als Mann mit schlechtem Samenbefund als "Versager" zu gelten,
sollten innerhalb der Partnerschaft und mit dem Arzt durchgesprochen werden.
Der Glaube an die eigenen Chancen frei von der Verbissenheit, dass es "dieses
Mal unbedingt klappen muss", kann hilfreich werden. Vertrauen in die Therapie
und eine gute Zusammenarbeit mit möglichst einem Arzt, der das Paar während
der gesamten Behandlung begleitet, sind von großem Vorteil. Es sollte
vermieden werden, dass die Erfüllung des Kinderwunsches zum einzigen Lebensinhalt
wird. Die Beziehung der Partner kann durch das gemeinsame Problem intensiver
und verständnisvoller werden.