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Liebe Eltern mit Kinderwunsch,
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wenn auch Sie die schmerzliche Diagnose vom Arzt mitgeteilt bekommen haben, daß Sie beide auf natürlichem Wege keine Kinder zusammen haben werden, kann eine Weit zusammenbrechen. Abhängig von der Art der Beeinträchtigung eines oder beider Partner kann eine künstliche Befruchtung trotzdem zum Kindersegen führen. Sie sind vielleicht gerade in der Situation, sich mit dem Themengebiet IVF oder ICSI zu befassen, sich über Ihre individuellen Möglichkeiten und Erfolgschancen zu informieren und somit den wunden Punkt der Kinderlosigkeit wieder als Gedanken zuzulassen.
An dieser Stelle möchte ich von meinen persönlichen Erfahrungen mit der künstlichen Befruchtung sprechen. Vielleicht bietet Ihnen mein Bericht die Möglichkeit zu sehen, wie es zumindest einem anderen Ehepaar in ähnlicher Situation mit ICSI erging. Ich habe selbst nie mit anderen Betroffenen gesprochen und weiß somit nicht, ob meine Eindrücke sich bei anderen Menschen wiederfinden lassen. Vielleicht erleben Sie aber die eine oder andere Übereinstimmung und fühlen sich verstanden. Das würde ich mir sehr wünschen. Mein Mann und ich sind von Anfang an der Meinung gewesen, daß wir niemanden aus dem Bekannten- oder Familienkreis in die Tatsache der künstlichen Befruchtung einweihen wollten. Einerseits hatten wir wenig Interesse, intime Details mit anderen zu teilen, andererseits verspürten wir keine Lust, uns eventuell von Leuten mit drei Kindern in Ethikdiskussionen verwickeln zu lassen. Außerdem sahen wir keine Notwendigkeit, falls wir je ein Kind haben sollten, es von seiner künstlichen Erzeugung zu unterrichten. War niemand darüber im Bilde, konnten wir auch vor unbeabsichtigter Plapperei sicher sein. Heute bin ich sehr froh, daß wir Stillschweigen bewahrt haben. Aber während der ersten Stimulationen ist es mir oft sehr schwer gefallen, in den Zeiten der Unsicherheit nicht mit einem Vertrauten zu sprechen. Bei dem letzten, dem dritten Behandlungszyklus, der auch zum Erfolg geführt hat, habe ich das Verlangen, mich jemanden mitzuteilen, nicht mehr verspürt. Einerseits habe ich von der wachsenden Routine profitiert. Ich wußte schon, daß das Bedürfnis nach Sport schwinden würde, wußte um die Kopfschmerzen, das Zwicken im Unterleib und kannte den Ablauf in .... Es gab keine unbekannte Variable mehr, vor der ich mich hätte erschrecken können. Viel gravierender aber als das Wissen um körperliches Unbehagen, kam mir die Vertrautheit und vorangeschrittene Verarbeitung psychischer Fallgruben zugute. Die ICSI-Behandlung aus der Sicht von Betroffenen: Der Termin zum Transfer der Embryonen ist meist drei Tage nach der Eientnahme. Die drei Tage habe ich immer gebraucht, um mich wieder vollständig von der Punktion zu erholen. Obwohl auch ich zu den Frauen gezählt habe, die direkt nach der Entnahme wenig Beschwerden verspürt haben, stellten sich Schmerzen im rechten und linken Unterbauch nach ein bis zwei Stunden ein. Die nächsten 48 Stunden habe ich immer im Bett verbracht und denke, dass der Zeitraum zwischen Punktion und Transfer als Fehlzeit am Arbeitsplatz einkalkuliert werden sollte. Ich persönlich habe mir für jede Stimulationsbehandlung beruflichen Freiraum geschaffen, für den ich stets dankbar war. Das Einbringen der Embryonen in die Gebärmutter ist nicht schmerzhaft, aber sehr aufregend, weil der Arzt anhand der stattgefundenen Teilungsrate mehr oder weniger Optimismus ausstrahlen wird. Mit erfolgter Rückgabe der befruchteten Eier ist die Behandlung abgeschlossen und nun beginnt die Zeit des Wartens. Wird eine Schwangerschaft entstehen oder nicht? In der folgenden Periode habe ich mich immer ein wenig alleingelassen gefühlt. Sind die Wochen vorher angefüllt mit Terminen und Untersuchungen, passiert jetzt gar nichts mehr und die Gedanken kreisen um die Frage, was sich im Inneren der Gebärmutter wohl abspielt. Mit dem termingerechten Ausbleiben der Monatsblutung sollte noch nicht frohlockt werden, denn ich habe auch erlebt, dass sich diese aufgrund der hormonellen Eingriffe um zwei Wochen verzögert hat. Wenn sich die Embryonen im Mutterleib nicht einnisten und weiterteilen, werden sie vom Körper resorbiert, d. h. man spürt nicht, ob sie abgehen. Die einzig verlässlichen Untersuchungen sind die Hormonbestimmung im Blut und später der Ultraschall. Ich, die ich einen direkten Vergleich zwischen erfolgreicher und fehlgeschlagener Stimulation habe, habe die Schwangerschaft allenfalls geahnt, weil Kopfschmerzen, die ich mit steigendem Hormonspiegel durch die Spritzen regelmäßig bekam, nach Ende der Behandlung aufgehört haben. Vielleicht war ich auch etwas schneller ermüdbar, hatte kein Bedürfnis nach körperlicher Aktivität und das Ziehen im Unterleib durch die großen Eierstöcke habe ich länger gespürt. Die Prozedur der Stimulation ist gut zu überstehen und verglichen mit dem möglichen Erfolgserlebnis eine Kleinigkeit. Viel schwieriger fiel es mir jedesmal, den Misserfolg zu verdauen. Besonders nach der ersten Stimulation fühlte ich mich, als hätte mir jemand den Boden unter den Füßen weggerissen. Ich hatte weder geahnt, wie sehr ich mich innerlich durch die Stimulation auf die Ankunft eines Babys vorbereitet hatte, noch wie schwindelerregend tief ich nach Zerplatzen des Traumes stürzen würde. Ich nehme an, dass das abrupte Absinken der Hormone im Blut seinen Teil zur psychischen Instabilität leistet. Man fühlt sich vergleichsweise wie ein Luftballon, der stark aufgeblasen und Iosgelassen wird. Mit einer gehörigen Geräuschkulisse fegt dieser ziellos durch den Raum und bleibt irgendwo ausgeleiert liegen. Trotzdem möchte ich betonen, dass ich jeder Behandlung dankbar entgegengesehen habe und auch die fehlgeschlagenen Versuche mich nicht davon abhalten konnten, mich auf das nächste Mal zu freuen. Schließlich war ich einem Kinde nie näher als in den Wochen der Behandlung. Eine weitere erfolglose ICSI-Behandlung half meinem Mann und mir, uns mental sinnvoller auf die Stimulation vorzubereiten. Einerseits setzten wir uns erneut mit dem Gedanken der Kinderlosigkeit auseinander und blickten auch diesem Lebensweg zuversichtlich und mit dem Gefühl der tiefen Zusammengehörigkeit entgegen. Andererseits erwuchs aus den gesammelten Erfahrungen die Vorsicht, die Erwartungshaltung während einer Stimulation möglichst niedrig zu tragen. Bei unserem bisher dritten Versuch freuten wir uns über jeden Teilerfolg innerhalb der Behandlung, sei es über das Sistieren von Zwischenblutungen während der Hormontherapie oder über ein positives Ultraschallergebnis. Wir vermieden es jedoch, vom ersten Tag des Zyklus an nur auf die Frage nach einer eingetretenen Schwangerschaft hinzuarbeiten. Ich möchte Ihnen, liebes Ehepaar, Mut zusprechen, für einen Weg, der auch mal steinig werden wird. Doch er kann damit enden, daß auch Sie ein Hochstühlchen an Ihren Esstisch stellen und das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen. Anmerkung: Namen wurden durch Punkte ........ersetzt. |
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