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11.Erfahrungen von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch

 

Paare mit unerfülltem Kinderwunsch stellen keine Einzelfälle dar. „Betroffene“ glauben anfangs, dass nur sie dieses Schicksal haben. Gespräche darüber finden allerhöchstens mit dem Partner und seltener im engsten Familienkreise statt. Wird der Mut gefasst, im Freundeskreis über diese Probleme zu sprechen, stellt man sehr schnell fest, dass man kein Einzelfall ist. Sterilität ist kein Tabuthema mehr. In Selbst-hilfegruppen und in Internetforen kann über die vielfältigen Probleme gesprochen werden:
Wer will, kann Erfahrungen weitergegeben, Ratschläge austauschen ... Ob Betroffene dadurch einen Nutzen haben, ist wissenschaftlich nicht zuverlässig untersucht. Jeder muss für sich entscheiden, wie er sich dazu stellt. Adressen von Selbsthilfegruppen werden auf Anfrage gerne mitgeteilt. Die großen Suchmaschinen listen Gruppen nach der geografischen Nähe.

 

Was hat sich nach Ansicht der Paare in den letzten Jahren bewährt, verbessert?

Heute kann die Ursache der ungewollten Kinderlosigkeit rasch fachkompetent abgeklärt werden. Es müssen keine Jahre verstreichen. Das Gefühl der Verzögerung, des Nicht-Ernstgenommen-Werdens, der zu geringen Weitergabe von Informationen scheint geringer, wenn das Paar frühzeitig Klarheit über die Ursachen und Chancen erhält. Es wird als wichtig erachtet, dass der beratende Arzt dazu die Probleme beider Partner berücksichtigt.
Geschätzt wird eine individuelle Beratung und Erörterung der Chancen und der möglichen Behandlungsmethoden mit den entsprechenden Erfolgsraten, und dies nach dem aktuellen bewiesenen Wissenstand.
Hat das Paar Klarheit über die Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit gewonnen und ausreichend Information erhalten, braucht es Zeit, um die neuen Kenntnisse zu verarbeiten. Diese Phase der Verarbeitung mündet in die Entscheidung, ob, wann, wie und wo welche Behandlung begonnen werden soll. Bei dieser Entscheidungsfindung helfen Informationen aus guten Broschüren und Internetauftritten und auch Erfahrungen und Hinweise anderer Betroffener.
... und nicht alles hängt an einem Versuch ... Man sollte sich vergegenwärtigen, dass die Wahrscheinlichkeit des Erfolges in einem Behandlungszyklus, selbst im erfolgreichsten Zentrum, immer niedriger liegt als die des Misserfolges. Misserfolg und Enttäuschungen gehören dazu. Aber eine klare Aussage zur Erfolgswahrscheinlichkeit wird erwartet und hilft (...% pro Behandlung, Schwangerschaft müsste möglich sein innerhalb von drei Versuchen ...) Auch reduzierte Chancen durch fortgeschrittenes Alter der Frau müssen klar angesprochen sein.

Ist die Entscheidung für eine Behandlung gefallen, so müssen die Weichen vom behandelnden Frauenarzt gestellt werden. Behandlungen wie z.B. die In-vitro-Fertilisation können und dürfen nur von spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Der beratende Arzt sollte die Zentren und die Räumlichkeiten und auch die Ärzte kennen. Hinweise, dass dort eine individuelle Behandlung gewährleistet ist und andere Patienten des Arztes dort früher bereits erfolgreich behandelt wurden, hilft, leichter Vertrauen zu fassen (siehe „Praxisrundgang“ im Internetauftritt www. kinderwunschulm. de).
Eine Sterilitätsbehandlung stellt immer eine Belastung beider Partner dar, die bis zum Stress geraten kann. Therapien sollten am günstigsten in Zeiten ohne anderweitigen Druck gelegt werden. Allein die Arzttermine einzuhalten bedeutet Fehlzeiten am Arbeitsplatz, was über längere Zeit nur bei einem verständnisvollen Arbeitgeber ohne Probleme möglich ist. Es wird von den Patienten als positiv bewertet, wenn möglichst wenige Arztbesuche notwendig sind, gerade wenn das Zentrum weit vom Wohnort entfernt liegt. Eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Gynäkologen und dem Arzt am Zentrum hilft hierbei. Da der Großteil der Behandlung die Frau betrifft, ist es um so wichtiger, dass der Ehemann verständnisvoll reagiert und seiner Frau Geborgenheit und Unterstützung bietet. Es ist für die Frau eine große Hilfe, wenn sie weiß, dass sie sich während der unausbleiblichen Hoch- und Tiefphasen immer mit dem Partner aussprechen kann. Die realistische Einstellung, dass unter Umständen mehrere Behandlungszyklen notwendig sind, vermindert den Leistungsdruck. Ein „Scheitern“ darf nie als persönlicher Misserfolg verarbeitet werden. Die oft auftauchenden Gedanken, „keine richtige Frau zu sein“ oder als Mann mit schlechtem Samenbefund als „Versager“ zu gelten, sollten innerhalb der Partnerschaft und mit dem Arzt durchgesprochen werden. Der Glaube an die eigenen Chancen, frei von der Verbissenheit, dass es „dieses Mal unbedingt klappen muss“, kann hilfreich werden.
Es sollte vermieden werden, dass die Erfüllung des Kinderwunsches zum einzigen Lebensinhalt wird. Die Beziehung der Partner kann durch das gemeinsame Problem intensiver und verständnisvoller werden.Vertrauen in die Therapie und eine gute Zusammenarbeit mit möglichst einem Arzt, der das Paar während der gesamten Behandlung begleitet, sind von großem Vorteil. Sehr erfolgreich läuft das Zusatzprogramm der psychotherapeutischen Unterstützung (siehe Kapitel „Psyche“). Es wird immer häufiger und ganz selbstverständlich genutzt.