IMSI (Intracytoplasmic Morphologically Selected Sperm Injection)

Der Hintergrund für IMSI

Erstmalig 2008 wurde in einer verlässlichen Studie von der italienischen Arbeitsgruppe um Antinori beschrieben, dass die Verwendung eines hochauflösenden Mikroskops bei der intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) zu mehr Schwangerschaften führt.

Das Besondere an diesem Mikroskop ist, dass man mit dieser 5 mal so hohen Vergrößerung (wie in gängigen Mikroskopen) Veränderungen an Samenzellen erkennen kann, die man bislang nicht sehen konnte (jetzt 6600-fache Vergrößerung).

So sollen im normalen Mikroskop nicht erkennbare Veränderungen an den Samenzellen zu reduzierten Chancen für eine Schwangerschaft auf natürlichem Wege wie auch bei künstlicher Befruchtung führen. In diesen Fällen kann nach ICSI die Befruchtung und Zellteilung anscheinend regelhaft ablaufen, zu einer Schwangerschaft kommt es aber seltener und dann noch häufiger zur Fehlgeburt. – So lautete bislang die Vermutung.

Bei IMSI werden die „morphologisch besten“ Samenzellen ausgesucht und dann für die ICSI verwendet. Der Fachausdruck für diese neue Technik lautet IMSI (intracytoplasmic morphologically selected sperm injection). Die ersten Studien zu IMSI schienen eine höhere Schwangerschaftsrate zu belegen, um bis zu 10 % höher als bei „normaler ICSI“. Auch die Zahl der Fehlgeburten sollte nach IMSI niedriger sein.

Die Ergebnisse bis 2013:

  1. Paare mit IMSI hatten eine Schwangerschaftsrate von 39% pro Versuch, Paare mit ICSI hatten 26,5%.
  2. Die Zahl der Fehlgeburten war bei ICSI 37% und bei IMSI nur 17%.

Aktuell: Von Cochrane werden nun 9 Studien mit 2014 Paaren ausgewertet (IMSI = 1002; ICSI = 1012):

  • Es finden sich keine Unterschiede in der Zahl der Geburten,
  • es gibt nicht weniger Fehlgeburten.
  • Nach IMSI entstehen wohl mehr Schwangerschaften (bei 20% nach ICSI wären dies 26% nach IMSI), aber nicht mehr Kinder.

So empfiehlt Cochrane IMSI zur Zeit nicht (“results do not support the clinical use of IMSI”). IMSI ist aufwändig, erfordert Zeit und den geschulten Biologen/Embryologen.

Um die Vor- und Nachteile besser beurteilen zu können, sind weitere Studien erforderlich. Außer den Kosten sind bislang keine Nachteile der IMSI Technik bekannt.

Wann kann man überlegen in ein IMSI Spermiogramm zu investieren?

  • Wenn man nur wenige Eizellen und Embryonen hat
  • oder eine verzögerte Entwicklung (keine Blastozysten erreicht) und immer,
  • wenn nur ganz wenig Samenzellen da sind.

Nachteil:

IMSI ist aufwändig, erfordert viel Zeit und ist teurer als ein „normales“ Spermiogramm.

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Letzte Aktualisierung: 10. Dezember 2016