Mikroinsemination (ICSI)

Die ICSI (auch „Mikro-Injektion“ genannt) ist die Weiterentwicklung der IVF.Diese Behandlung verspricht besonders dann Erfolg, wenn beim Mann eine starke Beeinträchtigung der Samenproduktion vorliegt. Man kann mit ganz wenigen und sogar mit unbeweglichen Samenzellen eine Befruchtung von Eizellen und später eine Schwangerschaft herbeiführen.

Ebenso wie bei der IVF werden für ICSI nach hormoneller Stimulation Eizellen durch eine „Follikelpunktion“ gewonnen. Unter einem speziellen Mikroskop wird dann ein einzelnes Spermium in eine dünne Pipette aufgezogen und direkt in die Eizelle eingebracht. Die „ICSI“ ahmt das natürliche Eindringen der Samenzelle in die Eizelle nach. Die eigentliche Befruchtung, nämlich das Verschmelzen der väterlichen und mütterlichen Erbanlagen, wird dadurch nicht beeinflusst. Nach Kultur im Brutschrank entwickelt sich dann ein Zwei- bis Achtzellembryo oder ein höheres Teilungsstadium. Wie bei der In-vitro-Fertilisation werden die Embryonen 2 -6 Tage später in die Gebärmutter zurückgegeben.

Die bewiesenen Kernsätze:

  • IVF und ICSI sind die Behandlungen mit dem höchsten Schwangerschaftserfolg pro Versuch.
  • ICSI sollte Paaren angeboten werden, bei denen die Kinderlosigkeit bedingt ist durch:
  • einen reduzierten Samenbefund oder einen Verschluss der Samenwege
  • eine erhebliche Einschränkung der „Hodenleistung“

Auch Paaren, bei denen die Befruchtung bei IVF ausbleibt, sollte ICSI angeboten werden, da ICSI die Befruchtungsrate (Zahl der befruchteten Eizellen) verbessert.

  • Sobald aber die Befruchtung erreicht ist, hat ICSI keine Vorteile gegenüber IVF. Die Schwangerschaftsraten sind nicht besser.
  • Vor ICSI wird eine Beratung empfohlen, vor allem eine genetische Beratung („Erbgutberatung“). Die Beratung sollte von einem unabhängigen Berater durchgeführt werden.

1992 ist es erstmals der Brüssler Arbeitsgruppe um Palermo gelungen, eine erfolgreiche Schwangerschaft nach dem direkten Einbringen einer Samenzelle in das Innere der Eizelle herbeizuführen.

Kosten:

Die ICSI-Behandlung wird von den gesetzlichen Krankenkassen bis zu 3x anteilig (50%) übernommen, wenn beide Partner bei einer gesetzlichen Kasse versichert sind.

 

 

Bei andrologisch bedingter Sterilität (reduzierter Samenbefund = männliche Subfertilität) sind mit den herkömmlichen Behandlungsmethoden die niedrigsten Erfolge zu verzeichnen. Medikamente haben zu keiner deutlichen Verbesserung der Ergebnisse geführt. Nur bei ganz wenigen Männern ist es möglich, die Zeugungsfähigkeit mit Medikamenten so zu beeinflussen, dass vermehrt
Schwangerschaften eintreten.

Die menschliche Eizelle wird unter anderem von Ernährungszellen (Granulosazellen) umgeben. Unzureichend bewegliche Samenzellen können bereits diese Schicht nicht durchdringen und erreichen somit die Eizelle nicht. Die Granulosazellen lassen sich einfach und ohne Schädigung der Eizelle entfernen. In der folgenden Abbildung werden die sehr komplizierten Abläufe zwischen Ei- und Samenzelle dargestellt.

Wechselwirkung zwischen Samen- und Eizellen bei der Befruchtung

Wechselwirkung zwischen Samen- und Eizellen bei der Befruchtung

Der Endpunkt dieser „Auseinandersetzung von Ei- und Samenzelle“ ist die Befruchtung. Zuerst muss die Samenzelle die Zona pelluzida durchdringen (Schritt 1). Die Zona pelluzida ist eine feste Schicht aus Eiweiß- und Zuckerverbindungen. Gut bewegliche Samenzellen können diese äußere Schicht durchdringen. Außerdem muss die Akrosomreaktion (Schritt 2) abgelaufen sein. Die Akrosomreaktion besteht aus komplizierten biochemischen Vorgängen, die noch nicht voll erforscht sind. Bekannt ist aber, dass Samenzellen, die von „schlechterer“ Qualität sind, zu dieser Reaktion nur bedingt oder gar nicht fähig sind. Ein Spermium, das diese Barriere durchdrungen hat, wird normalerweise an die die Eizelle direkt umgebende Schicht gebunden (Schritt 3). Danach muss diese Schicht durchdrungen werden; erst dann können Samen- und Eizelle verschmelzen (Schritt 4).

Bei Männern, bei denen ein eingeschränktes Spermiogramm (verminderte Zahl; reduzierte bis aufgehobene Beweglichkeit; Vermehrung fehlgeformter Zellen) vorliegt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser komplexe Befruchtungsvorgang abläuft, reduziert. Eine 100%ige Voraussagewahrscheinlichkeit, ob mit dem jeweils vorliegenden Samenbefund eine natürliche Befruchtung oder eine Befruchtung in der Retorte noch möglich ist, kann allerdings nicht getroffen werden. Die oft noch angebotenen aufwändigen Zusatztests für Samenzellen können nicht verlässlich vorhersagen, ob eine Befruchtung stattfindet oder nicht.

Zusatzteste sind ohne Nutzen, sie belasten psychisch und finanziell und begünstigen unnötige Behandlungen (Schaden überwiegt).

Schematische Darstellung der Mikroinsemination (ICSI)

Schematische Darstellung der Mikroinsemination (ICSI)

Seit 1976 wurde im Tierexperiment versucht, über das direkte Einbringen einer Samenzelle in das Innere der Eizelle eine Befruchtung herbeizuführen. Ende der 80er- Jahre wurde für das Rind und das Kaninchen belegt, dass es mit dieser Technik möglich ist, eine Befruchtung herbeizuführen und dass danach eine normale Zellteilung ablaufen kann, die zu gesunden Nachkommen führt. Die erste Geburt eines gesunden Kindes nach Spermainjektion wurde 1992 publiziert. Diese ICSI-Technik (intrazytoplasmatische Spermatozoeninjektion) ist mittlerweile weltweit verbreitet und hat sich als erfolgreich erwiesen. Man kann mit ganz wenigen und sogar mit unbeweglichen Samenzellen eine Befruchtung und eine Schwangerschaft herbeiführen.

Die Stimulationsbehandlung für die Mikroinsemination von Eizellen ist wie die für die In-vitro-Fertilisation. Auch die Eizellgewinnung ist nicht anders. Die Mikroinsemination wird unter einem hochauflösenden Spezialmikroskop mit feinsten Glaskapillaren durchgeführt.

Die mikroinseminierten Eizellen werden dann in den Brutschrank gegeben; es wird genauso verfahren wie bei der In-vitro-Fertilisation. Wie bei der In-vitro-Fertilisation werden die Embryonen in die Gebärmutter zurückgegeben. Es wird immer wieder die Befürchtung geäußert, dass vermehrt Fehlbildungen bei den „ICSI-Kindern“ auftreten, u. a. wegen der Verwendung „schlechter“ Samenzellen, die normalerweise wohl kaum eine Eizelle befruchtet hätten.

Vorbehalte gibt es auch gegen die In-vitro-Fertilisation oder gegen die Insemination. Letztendlich entscheidet das Paar, ob die Methode akzeptiert wird oder nicht.

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Letzte Aktualisierung: 20. September 2017