Akupunktur bei Kinderwunsch

(speziell bei Behandlungen wie IVF/ICSI)

Unsere Empfehlung lautet: Wer Akupunktur will, darf sich nicht zu viel versprechen. Es scheint noch gerechtfertigt, Akupunktur dem IVF Patienten (am Tag des Transfers) anzubieten, da die Nebenwirkungen gering und relativ harmlos sind.

Bis 2013 war die Empfehlung: Frauen können durch Akupunktur während des Embryotransfers ihre Schwangerschaftschance erhöhen. Dies gilt speziell für Frauen mit wenig Eizellen und Embryonen.

Die Formulierung ist jetzt deutlich zurückhaltender, drückt aber nur aus, dass die Datenlage unsicher war und ist. Die aktuelle Übersichtsarbeit von Cochrane, in der nun 14 Studien mit über 3500 Frauen ausgewertet werden, bestätigt die bisherigen Ergebnis nicht. Eine der ersten Studien, die Wirkung von Akupunktur bei IVF/ICSI fand, war die der Ulmer Gruppe 2002:

 

Zusammenfassend gilt: Es ist nicht schlagkräftig bewiesen, dass Akupunktur beim Embryotransfer die Chance auf die Geburt eines Kindes erhöht. Seit 2012 läuft eine große Studie, um offene Fragen zum Wert der Akupunktur besser beantworten zu können.

Und schon länger ist bekannt: Es gibt keine Belege für eine Wirksamkeit der Akupunktur an anderen Tagen, vor und nach dem Transfer. Ein Großteil der Wirkung kann durch den Placeboeffekt bedingt sein. Denn die Akupunktur an Stellen, die laut Lehrbuch dafür nicht geeignet sind (Placebo-akupunktur), ist nach bisheriger Studienlage ähnlich hoch im Erfolg wie die Akupunktur an den „richtigen Stellen“.

Insgesamt hatten 1% der Patienten behandlungsbedürftige Nebenwirkungen. Leichte Nebenwirkungen der Akupunktur (Hautrötung, Infektion der Einstichstelle, Missempfindungen wie „Ameisenlaufen“) klingen meist ohne Behandlung ab.

 

Die große deutsche Studie zur Akupunktur zeigt, dass es sich bei der Akupunktur um eine Methode handelt, die wenig ernsthafte Nebenwirkungen hat (1% der Patienten hatte behandlungsbedürftige Nebenwirkungen). Bis zum 31. Dezember 2004 wurden außerdem 17 „schwerwiegende unerwünschte Therapiewirkungen“ oder Komplikationen gemeldet: sechsmal ausgeprägte Kreislaufreaktionen wie Kollaps, fünfmal ein Pneumothorax (Zusammenfallen eines Lungenflügels), zweimal ein Erysipel (ausgeprägte Hautentzündung), je einmal Kniegelenkinfektion, Auslösung eines Krampfanfalles oder eines ausgeprägten Asthmaanfalls.

  • Melchart D et al. Acupuncture in patients with tension-type headache: randomised controlled trial. BMJ, doi:10.1136/bmj.38512.405440.8F (published 29 July 2005)

Kosten:

Akupunktur beim Embryotransfer oder generell in der Behandlung des unerfüllten Kinderwunsches ist keine Kassenleistung. Man erhält eine Privatrechnung nach GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte) über ca. 65 Euro pro Sitzung.

Letzte Aktualisierung: 06. Januar 2018