Zahlen & Fakten zu Kinderwunsch-Behandlungen

Deutschland fehlt der Nachwuchs

Mit einer derzeitigen Kinderzahl von 1,4 Kindern pro Frau liegt Deutschland unter dem sogenannten Ersatzniveau (Total Fertility Rate = TFR, übersetzt totale Fruchtbarkeitsrate) von statistisch 2,1 Geburten, und das seit Jahren. Deutschland, das hinter Russland bevölkerungsreichste europäische Land (80,2 Millionen Einwohner laut Zensus 2011, 7,7 % Ausländeranteil), zählt damit weltweit zu den 20 Ländern mit der geringsten Fruchtbarkeit. Bei einer Kinderzahl von 1,4 ist jede Kindergeneration um ein Drittel kleiner als die ihrer Eltern – trotz Immigration.

Unabhängige, nicht interessendominierte Information

  • Aufklärung über ungewollte Kinderlosigkeit gibt es kaum. 54 % der deutschen Erwachsenen glauben, die Fruchtbarkeit der Frau sinke erst ab dem 40. Geburtstag. Nach wie vor haben aber Frauen zwischen 20 und 30 Jahren die besten Chancen, schwanger zu werden.
  • In diesem Glauben gehen „nur“ 52 % der Paare mit Kinderwunsch zum Arzt, die meisten hoffen, dass es noch auf natürlichem Weg zur Schwangerschaft kommt.
  • Paare bekommen zur Zeit mit 30 Jahren ihr erstes Kind, ab 35 Jahren sinkt die Chance auf Schwangerschaft generell erheblich.
  • Paare in Deutschland, die sich für eine künstliche Befruchtung entscheiden, sind über 34 Jahre (Frau) bzw. über 37 Jahre (Mann).
  • 82 % der Frauen suchen erst nach 1½ Jahren ohne Schwangerschaft einen Arzt auf, in 91 % der Fälle ihren Frauenarzt.
  • Staatliche Investitionen in Kinderwunschbehandlungen sind hochgradig effektiv.

Kinderlosigkeit – die Häufigkeit ist weltweit ähnlich hoch

9 % der Paare haben unerfüllten Kinderwunsch, auch an Ihrem Wohnort. Die Hälfte davon sucht medizinische Hilfe. Das Hilfesuchen hängt vom Glauben der Frau an positive Behandlungserfolge ab und von der finanziellen Machbarkeit.

Eine generelle Zunahme der Unfruchtbarkeit ist in der deutschen Bevölkerung nicht zu belegen. Aber das Alter der Frauen bei der Geburt des ersten Kindes steigt beständig an; mit zunehmendem Alter geht die Fruchtbarkeit zurück.

Pro Jahr holen sich 15 % der Paare medizinischen Rat wegen Sterilität ein. Jedes sechste Paar sucht zumindest einmal einen Arzt wegen des unerfüllten Kinderwunsches auf (WHO 1997).

Bei ungewollter Kinderlosigkeit von mehr als einem Jahr spricht man von herabgesetzter Fruchtbarkeit, Subfertilität oder Sterilität. Die Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit liegen bei ca. einem Drittel bei der Frau, zu einem Drittel beim Mann und sind im restlichen Drittel durch kombinierte Faktoren von Mann und Frau bedingt. Bevor auf die Abklärung und Behandlung der Sterilität eingegangen wird, soll der Ablauf der Fortpflanzung aufgezeichnet werden.

  • Die Daten sind in der Juli-Ausgabe 2008 von „demographic-research“ frei zugänglich, z. B.: Jürgen Dorbritz. Germany: Family diversity with low actual and desired fertility. research article Open Access doi. 10.4054/DemRes.2008.19.17
  • 2009 sind die Zahlen verfügbar in der Fachzeitschrift „Demografische Forschung aus Erster Hand“ (www.demografische-forschung.org/archiv/defo0804.pdf).
  • WHO 1997. World Health Organisation. Highlights on health in the United Kingdom. Document. 1997

Eine optimale Familienpolitik

Mit 1,8 – 2,0 geborenen Kindern pro Frau kommen nur Frankreich, Großbritannien, Irland und die nordischen Länder dem Ersatzniveau nahe, so die Analyse des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock. Neun Gründe für den Bevölkerungsrückgang werden in der Analyse des Max-Planck-Instituts angeführt. Als Grund für den späteren Entschluss (ab 30 J.) zum Kind nennen 57 % der Paare mit Kinderwunsch die Zeit, bis sie den richtigen Partner gefunden hatten. Für 60 % dieser Paare sprechen auch finanzielle Gründe, für 42 % berufliche Gründe gegen ein oder ein weiteres Kind.

Es ist Aufgabe der Familienpolitik materielle Anreize zum Kinderkriegen zu schaffen. Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf wie Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeiten gehören dazu, aber auch die Übernahme von Behandlungskosten bei unerfülltem Kinderwunsch.

Die Kosten der „künstlichen Befruchtung“ übersteigen in keinem Land 0,25 % der Gesundheitskosten. Nur in Ländern mit voller Kostenübernahme werden die gewünschten Versuchszahlen erfüllt. In den USA können aus finanziellen Gründen nur 24 % der eigentlich erforderlichen und gewünschten Behandlungen stattfinden.

  • Chambers GM et al. The economic impact of assisted reproductive technology: a review of selected developed countries Fertility and Sterility (2009) 91: 6, 2281-2294
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Letzte Aktualisierung: 11. November 2016